Tanzen vor dem Herrn

Tanzen vor dem Herrn

Im neuen Gotteslob gibt es das Lied: „Tanzen, ja tanzen wollen wir und springen, tanzen vor dem Herrn ….“

Ja, wir, die Gläubigen, müssen wieder zum Tanz aufgefordert werden. Wir haben ihn nämlich vergessen. Und das sosehr, dass wir darin fast etwas Unziemliches sehen.
Unlängst wurde in unserem Dom eine Tanzaufführung, begleitet von der Domorgel, angeboten. Sie war sehr gut besucht. Später gab es in einer Tageszeitung einen empörten Lesebrief wegen der angeblichen Deplatziertheit dieses Tanzes.
Ja, es war zunächst fremd, oben auf der Altarinsel bewegten sich in Weiß gekleidete Körper zu den Orgelklängen. Gerade das Körperliche war dominant. Verschiedene Arten der Bewegungen im Miteinander, Zueinander oder auch Gegeneinander schickten das Auge des Betrachters auf die Reise. Ein bewegtes Bild folgt auf das Andere. Ich konnte höchstens die Szenen an sich deuten, aber kaum einen roten Faden erkennen. Einen begleitenden, deutenden Text hätte ich sehr begrüßt. Es gab nur die Angaben zur Musik.

Was mir allerdings gefallen hat, war, dass der kultivierte Ausdruck des Körpers gottesdienstfähig ist. Das Bewegen der Lippen im Gebet, das Schwingen der Stimme beim Gesang, das Beugen der Knie in der Anbetung, das Gehen bei der Wallfahrt sind einzelne Elemente der Körperlichkeit. All diese Gesten dienen höchster Gottesverehrung. Sie sind immer mit dem gesprochenen Wort verknüpfbar. Will man allerdings nur die Körperbewegungen sprechen lassen so müssen sie beredt sein. Das bedarf großer Ruhe und Klarheit des Tanz-Vortrages. So kann der Tanz etwas aussprechen. So spricht sich die Seele durch den Körper aus.
Tanzen vergeistigt den Körper in gesteigertem Maß. Der Leib wird Instrument des Geistes, je nach Gesinnung und Glauben, auch des Heiligen Geistes.

Getanzt wurden:
Alexandre Guilmant: Sonate II op.50, Allegro vivace

Einojuhani Rautavaara: Summer Thoughts, Notturno

Johann Sebastian Bach: Chaconne

Louis Vierne: 24 Pièces de fantaisie , Suite II op.53 (1926), V. Clair de lune

Johann Sebastian Bach: Passacaglia

Die meisten hier benannten Werke von diversen Künstlern sind leicht bei YouTube zu finden.